Amphitryon. Ein metaphysisches Gedankenspiel nach Kleist

Theater im Bauturm Kieran Joel und Ensemble

"Ist diese Hand mein? Diese Brust hier mein? Gehört das Bild mir, das der Spiegel strahlt?" (Alkmene in Amphitryon, 2. Akt, 4. Szene)

Noch nie zuvor war Identität so komisch wie in Heinrich von Kleists Komödie Amphitryon, deren Essenz Regisseur Kieran Joel in seiner jüngsten Bearbeitung eines Klassikers am Theater im Bauturm zu destillieren sucht. Von Kleist selbst bescheiden als "Lustspiel nach Molière" bezeichnet, leistet die 1807 im Druck erschienene Vorlage nichts Geringeres als den Transfer der bereits von Plautus und Molière bearbeiteten Verwechslungsthematik in die Moderne: Der Feldherr Amphitryon, der aus dem Krieg zurückkehrt und feststellen muss, dass Jupiter seine Gestalt angenommen hat, um zum Liebhaber seiner Gattin Alkmene zu werden, wird durch Kleist zum Prototyp des seiner selbst unsicheren Menschen.

Der Coup von Kleists Stück besteht darin, dass es den Zerfall eindeutiger Modelle von Identität keineswegs als tragischen Gegenstand behandelt, sondern vielmehr die daraus resultierenden Befindlichkeiten, Irrtümer und Missgeschicke in komödiantischem Rahmen durchspielt. Es sind diese Spuren im Text, denen Kieran Joel und sein Team folgen, um aktuellen Fragen von Identität auf den Zahn zu fühlen: Wo sind wir "echt" und wo bestehen wir aus Zuschreibungen und Beobachtungen? Ist Identität künstlich reproduzierbar - oder gar künstlerisch? Und welche Verantwortung trägt dabei das Theater, wo die Annahme falscher Identitäten den gängigen modus operandi darstellt?

Kieran Joel hat am Theater im Bauturm bereits mit seinen Inszenierungen "Don Quijote", "Moby Dick" und "Frankenstein" sowie dem Artaud-Projekt "Das Theater und sein Double" ebenso sinnliche wie diskursive Theaterabende geschaffen, in denen stets auch die Strukturen und Wirkungsweisen der Institution Theater auf die Probe gestellt werden. Versiert im Umgang mit Metaebenen und Theatereffekten wagen sich Joel und sein Team diesmal in das Spiegellabyrinth von Kleists Verwechslungsspektakel, über das Thomas Mann 1928 schrieb: "Spielte man es, wie es gespielt zu werden verdient, es gäbe eine Lustbarkeit, bei der Gemüt und Verstand in festlich gleicher Weise auf ihre Rechnung kämen."

Premiere: Fr, 13. Mai 2022

Fr, 24. Juni20:00 Uhr Erwachsene
, Schauspiel
, Jugend
,

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Ort

Theater im Bauturm
Aachener Straße 24-26
50674 Köln
Details

Besetzung

Leonie Houber
Felix Witzlau

Stab

Regie:
Kieran Joel

Ausstattung:
Madeleine Sahl
Sophia Schach

Musik
Lenny Mockridge

Prduktionsleitung:
Erika Walter

Regiehospitanz:
Lilly Pätzold

Bilder

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