IS deutsche Räuber im Dschihad

St. Gertrud wehr51

Erstaunt, ungläubig und mit Unverständnis beobachtet die westliche Welt, wie ihre eigenen Kinder die Heimat verlassen, um in einen Krieg zu ziehen, den sie Dschihad und der Westen Terrorismus nennt. Dieser Krieg richtet sich gegen die Werte und Prinzipien der Gesellschaften, aus denen sie kommen, gegen Demokratie und Toleranz. Dabei ist Terrorismus nach dem Militärstrategen Carsten Bockstette weniger eine Militär-, sondern vielmehr eine Kommunikationsstrategie. So schenkt das Selbstmordattentat demjenigen uneingeschränkte mediale Aufmerksamkeit, der sonst nicht zu Wort kommt. Wenn wir heute von Selbstmordattentat reden, dann denken wir zu allererst an den islamistischen fundamentalistischen Terrorismus. Doch diese Annahme lässt außer Acht, dass deutsche/westliche Geschichte und Literatur auch Beispiele hierfür hat. In Schillers Räuber findet sich in Karl Mohr, der eigentlich eine Lichtgestalt ist, eine dunkle Schattenseite. Er gründet eine Räuberbande, raubt und mordet, um den Armen zu geben, doch am Ende erschrickt er selber über die Gewaltexzesse – späte Einsicht.

"Ich fühle eine Armee in meiner Faust - Tod oder Freiheit!" - Die Räuber II, 3 / Karl Moor

Welches Menschenbild liegt dem zugrunde? Was bewegt diese jungen Menschen? Finden sie in der Radikalisierung, im Islamismus/im Räubertum einen Gegenentwurf zum verweichlichten Elternhaus? Ist, wie z.B. die Soziologen Olivier Roy, Jürgen Manemann und Lamya Kaddor meinen, der Weg in den Dschihad eine Jugendkultur, eine Rebellion gegen das Wertesystem der Gesellschaft? Der Weg führt in die Wüste oder in den Wald und schließlich vor Gericht!

Auf der Folie von Schillers „Die Räuber“, spiegelt der Vater-Sohn Konflikt den Generationenkonflikt und das Aufbegehren gegen die Gesellschaft. Die Bildung einer Räuberbande ist logische Konsequenz – der Weg in den Dschihad auch? Es zeigen sich Gemeinsamkeiten, die über zeitliche und kulturelle Dimensionen hinausgehen, die die Annahme nahe legen, dass Gewalt in der Natur des Menschen verankert ist: Aber wie kann man ihr entgehen?

Das Stück beginnt in der Freihandelszone mit einer performativen „Räuber“-Installation. Von dort wird der Besucher in das monumentale Kirchengebäude von Sankt Gertrud geleitet, einem Ort der offenen Begegnung und religiösen Auseinandersetzung, der Liebe und der Kunst, aber auch zu einer Gerichtsverhandlung. Wie bei einer Sitzung des UN Sicherheitsrats folgt der Zuschauer über Kopfhörer der Verhandlung auf der Chorempore. Verschiedene Stationen, Videoprojektionen, Spielszenen, Zeugenbefragungen, Blickachsen und der phänomenale Raumklang der Kirche ergeben wechselnde Perspektiven, sowohl gedanklich als auch visuell. Das Stück zeigt eine Gerichtsverhandlung, die unvereinbaren Gegensätze und Positionen gegenüberstellt. Der Aufbau ist wie das klassische Drama in 5 Akte gegliedert.
Eintritt: 17,- / 10,-
Treffpunkt: Freihandelszone, Krefelderstr. 71
Reservierung/Information: info@wehr51.com

Premiere: Mi, 27. November 2019

Mi, 27. November20:00 Uhr Erwachsene
, Schauspiel

Weitere Termine

Do | 28. Nov 2019 | 20:00
Fr | 29. Nov 2019 | 20:00
Sa | 30. Nov 2019 | 20:00
Do | 23. Apr 2020 | 20:00
Fr | 24. Apr 2020 | 20:00
Sa | 25. Apr 2020 | 20:00
So | 26. Apr 2020 | 20:00

Ort

St. Gertrud
Krefelder Str. 57
50670 Köln

Besetzung

Asta Nechajute
Lisa Freudenthal
Luica Schulz
Fabian Kuhn

Stab

Regie: Andrea Bleikamp
Dramaturgie, Textfassung: Rosi Ulrich
Video: Jens Standke
Musik: Sergej Maingardt
Ausstattung: Claus Stump
Licht: Jan Wiesbrock
Technik: Jens Kuklik
PR: mechtild tellmann kulturmanagement
ÖA: neurohr & andrä GbR

Bilder

Weitere Angaben

Eine Produktion des WEHR51, in Koproduktion mit sankt gertrud:
kultur + kirche
Freihandelszone – Ensemblenetzwerk Köln
Gefördert von:
Kulturamt der Stadt Köln
Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW
NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste
Kunststiftung NRW

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