Barkouf oder ein Hund an der Macht

Oper/ \Köln Oper Köln

Ein Hund an der Macht! Satire? Realität? Bei Jacques Offenbach, dem genialen Provokateur, darf man gerne das eine für das andere nehmen. In »Barkouf ou un chien au pouvoir« jedenfalls lässt er einen ganzen Staat nach dem Gebell eines Hundes tanzen.

Dieser Staat – wenn auch im Orient angesiedelt, mit Großmogul, Großwesir und einem Handlungsort namens Lahore – wies zur Zeit der Uraufführung viele Parallelen zum Paris des Zweiten Kaiserreichs unter Napoleon III auf, und die Ausgangssituation der Handlung vermittelt sich geradezu revolutionär:

Da setzt ein Willkürherrscher, weil sämtliche vorige Regierungschefs aufgrund ihrer offensichtlichen Unfähigkeit von der Bevölkerung aus dem Fenster gestürzt worden sind, kurzerhand einen Hund als regierenden Vizekönig ein. Das Bellen des Vierbeiners wird von seinem ehemaligen ›Frauchen‹, der Blumenverkäuferin Maïma, übersetzt, und so kommt es – welch eine Überraschung! – bald zu Steuersenkungen, zur Abschaffung der Todesstrafe, zu Amnestien für mit der ›Hunde- Dolmetscherin‹ befreundete Anarchisten und zu weiteren Eingriffen, die zunächst einmal tierisch populär rüberkommen. Fazit: Wenn schon alle politischen Entscheidungsträger inkompetent oder korrupt sind, ist der Hund einer Blumenverkäuferin immer noch die bessere Alternative!

Die opéra bouffe »Barkouf ou un chien au pouvoir« beansprucht innerhalb des Gesamtwerks von Jacques Offenbach schon deshalb eine Sonderstellung, weil es sich bei ihr um seine erste Auftragsarbeit für die ehrwürdige Opéra Comique handelte. Eine spezifische Berühmtheit als subversiver Erneuerer des Musiktheaters genoss der zu diesem Zeitpunkt 40-Jährige in der französischen Hauptstadt bereits durch seine Aufführungen an den von ihm begründeten Bouffes Parisiens. Nun sollte sich, auch in der Zusammenarbeit mit dem literarischen Alt-Meister Eugène Scribe als Librettisten, seine Erfolgsserie sozusagen auf ›Staatstheater-Ebene‹ fortsetzen. Doch die Intrigenküche brodelte: Zensurdruck, persönliche Animositäten und Diven- Krieg, außerdem Unverständnis von Seiten der Kritiker ließen dem Werk keine Chance.

Auch Hector Berlioz zählte zu den Verächtern dieser hündischen Persiflage und wollte in dem hübsch frechen Werk einen ihm nicht genehmen »Wind, der durch Deutschland weht« wahrgenommen haben.

Nach der Uraufführung am 24. Dezember 1860 folgten nur wenige Vorstellungen, danach war die Luft raus, der Kläffer mausetot, und die an musikalischen Einfällen so reiche »Barkouf«-Partitur verschwand spurlos in Manuskriptstapeln an unerreichbaren Orten – scheinbar für immer der Vergessenheit anheim gegeben.

Auf abenteuerlichen Wegen, mit Akribie und einer Besessenheit, die auf wahrer Leidenschaft basiert, ist es dem Offenbach-Spezialisten Jean-Christophe Keck jüngst sensationell gelungen, »Barkouf« wieder ans Tageslicht zu befördern.

Und nun, vor kaum weniger brisanten politischen Hintergründen als zur Uraufführungszeit, darf der Hund Barkouf – den man übrigens nie zu Gesicht bekommt, sondern nur hört – wieder bellen! Bei der Koproduktion der Oper Köln mit der Opéra du Rhin handelt es sich um die erste Aufführung seit der Uraufführungsserie vor 158 Jahren.

Premiere: Sa, 12. Oktober 2019

So, 20. Oktober16:00 Uhr Jugend
, Erwachsene
, Oper
,

Weitere Termine

Do | 17. Okt 2019 | 19:30
Mi | 23. Okt 2019 | 19:30
So | 27. Okt 2019 | 18:00
Mi | 30. Okt 2019 | 19:30
Fr | 01. Nov 2019 | 18:00
So | 03. Nov 2019 | 16:00

Ort

Oper/ \Köln
Rheinparkweg 1
50679 Köln
Details

Besetzung

BABABECK - MATTHIAS KLINK
DER GROSSMOGUL - BJARNI THOR KRISTINSSON
SAËB, OFFIZIER - PATRICK KABONGO
KALIBOUL, EUNUCH - MARTIN KOCH
XAÏLOUM, GELIEBTER DER BALKIS - SUNNYBOY DLADLA
MAÏMA, JUNGES BLUMENMÄDCHEN - SUSANNE ELMARK / SARAH ARISTIDOU
BALKIS, ORANGENHÄNDLERIN - JUDITH THIELSEN
PÉRIZADE, TOCHTER VON BABABECK - KATHRIN ZUKOWSKI
CHOR - CHOR DER OPER KÖLN
ORCHESTER - GÜRZENICH-ORCHESTER KÖLN

Stab

MUSIKALISCHE LEITUNG - STEFAN SOLTESZ
INSZENIERUNG - MARIAME CLÉMENT
BÜHNE & KOSTÜME - JULIA HANSEN
LICHT - NICOL HUNGSBERG
CHOREOGRAFIE - MATHIEU GUILHAUMON
CHORLEITUNG - RUSTAM SAMEDOV
DRAMATURGIE - GEORG KEHREN, JEAN-LUC VINCENT

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