Politics of Dancing - Bewegung im Zentrum der Macht

tANZfAKtUR bodytalk

Politics of Dancing ist ein Inklusions-Projekt: Es macht nämlich ein richtiger Politiker mit!
Wo treffen sich Tanz und Politik? Wo treffen TänzerInnen und PolitikerInnen aufeinander? Viele geben vor zu wissen, was die Politik für den Tanz tun kann, tun soll, wie sie die Tanzszene verändern / unterstützen kann, etwa durch Fördermodelle usw. Und besonders: Was lernen TänzerInnen von PolitikerInnen? Und vice versa ...
Eine gängige Definition der Spezies „Politiker“ des urban dictionary lautet: A person who tries to please everybody when speaking, and tries to steal everything when acting. Bringen wir sie zum Acting, dann kommt Stil von selbst – der persönliche Tanz-Stil.
Die Bühne als Lokaltermin ist nach Feldforschung und Labor die letzte Station unserer Zusammenarbeit mit der Politik:

The politicians are now DJ's
The politics of dancing
The politics of oooh feeling good
The politics of moving
Is this message understood ?!

Wir haben verstanden: Politiker sind DJs, Tanzpolitik liefert Wohlfühlgarantie, die Botschaft lautet: Politik durch Bewegung! Uns interessiert dieses Experiment, weil wir nicht wissen, was dabei herauskommt.
Politics of Dancing
Tanztheater-Performensch

Ein TANZFONDS ERBE Projekt von bodytalk
Gefördert von TANZFONDS ERBE – eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes,
Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen,
Kulturamt der Stadt Münster

Pressestimmen

"Turbulent geht es zu auf der Tanzbühne von Dock 11, dem Performance-Space am Berliner Prenzlauer Berg. Zu Gast mit der Premiere ihres neuen Stückes „Politics of dancing“ ist die Tanztheater-Truppe bodytalk und denen eilt, nicht unverdient, der Ruf voraus, ihre Themen auf den Kopf zu stellen und tüchtig durchzuschütteln, damit man sie wieder „richtig“ wahrnehmen kann. Und in diesem Stück wird – notwendigerweise – reichlich auf den Kopf gestellt. Sogar tänzerisch mit Hip-Hop-Einlagen, Kopfdrehungen und Powermoves.
Angefeuert wird das Publikum mit dem Titelsong des Stücks „Politics of dancing“ mit seinen knalligen Beats, mitreißend und bewegungsintensiv. Vom Start weg gehts heftig zur Sache. Doch was macht bloß ein waschechter SPD-Politiker auf der Tanzbühne, der grad zum Sprung auf die Nominierung zur Wahl zum Europäischen Parlament ansetzt? Treibt ausgerechnet bodytalk, das politikkritische Tanztheater par excellence, Wahlkampf? Fake oder Fakt? Ein klassischer Fall von „das Ziel ist im Weg“ kommentiert ein Akteur. Doch wenn man das Ensemble von bodytalk in knallroten SPD-T-Shirts hollywood-like um den erhöht thronenden Politiker drappiert sieht, ahnt man schon die kommenden satirischen Brechungen.
Um die Zuschauer auf diesen schwierigen Parcour zwischen Fiktion und Realität alle mitzunehmen, schwärmen die Akteure, oder besser: Aktivistinnen und Aktivisten aus, um in einer angenehmen Wohlfühl-Bewegungs-Aktion alle auf das disparate Kommende einzustimmen. Hand wird in Hand gelegt, gestreichelt, verschränkt und in Schlangenlinien bewegt, Küsse verschenkt, aber auch Fuß an Fußfläche Widerstand getestet Doch wenn man gedanklich daneben stellt, wie es in der Realpolitik derzeit drunter und drüber geht, wie die Gier einiger politicains nach Macht zum demokratiegefährdenden Selbstzweck wird, muten Dr. Wolfgang Ressmanns politische Visionen einer sozialen, demokratischen Friedenspolitik geradezu utopistisch an. Seine Aktivistentruppe schwenkt die rote Fahne, baut das klassische Gemälde von Delacroix mit der triumphierenden Marianne nach.
In der Inszenierung von Yoshiko Waki und Rolf Baumgart begegnen sich Politik und Tanz einmal ganz anders: Beide sind aktive Protagonisten in diesem Stück. So gesehen ist „Politics of dancing“ ein Inklusionsstück, das die selbstbestimmte Teilhabe des Tanzes in der Gesellschaft fordert. Und damit der Politiker (stellvertretend für seine Klasse) die bedeutsame gesellschaftliche Funktion des Tanzes mal körpernah versteht, wird er von den Tänzerinnen und Tänzern in einer provozierenden Körpersprache angetanzt, auf ihm im wahrsten Sinn des Wortes herumgetanzt, wird er verwöhnt und gefordert und ihm bis zur (teilweisen) Entblößung viel zugemutet.
Aber dem Tanz selbst wird ja auch viel abverlangt, wie der Kommentator herausschreit. Da soll der Tanz für sauberes Trinkwasser, für Artenvielfalt, die Besteuerung der Großkonzerne, gegen Bienenmord und für die Menschenrechte, für Barrierefreiheit und für Altkleider für Afrika tanzen. In der Tat braucht man sich nur mal die Inhalte anzuschauen, die auf der Themenliste vieler Choreografinnen und Choreografen stehen. Und wenn dann eine Tänzerin nach vorn tritt, von ihrem sexuellen Missbrauch als Kind berichtet, bekommt Tanz und Bewegung eine andere, menschliche Dimension. Tanz, so berichtet sie, ist ihre Überlebensstrategie, ihr Widerstand. Was soll da noch die Forderung, man müsse den Tanz in die Mitte der Gesellschaft bringen und was ist, wenn er dort angekommen ist? Dann, so kommentiert lakonisch einer der Akteure, dann ist aus gesellschaftskritischem Tanz Gesellschaftstanz geworden.
Mit „Politics of dancing“ greifen Yosiko Waki und Rolf Baumgart wieder mal ein Thema auf, das andere meiden. Und vor allem erkennen sie mit einem überraschenden Spürsinn gesellschaftliche Ver- und Entwicklungen, die an die Oberfläche zu holen, gesellschaftlich wichtig erscheint. „Politicis of dancing“ ist großartiges Tanztheater, das sich mit vielen kleinen mal komischen, mal polemischen Szenen, Schritt für Schritt, seinem Kern nähert, dem schwierigen Verhältnis zwischen Politik und Tanz nachzuforschen und dabei den Menschen als Akteur, Politiker, Zuschauer (und -innen im Blick zu behalten. Deshalb ist diese Inszenierung auch keine Performance, sondern in bodytalk-Sprech eine Performensch. Eine Choreografin oder Choreografen hat dieses Stück nicht. Es ist gemeinsam mit den Tänzerinnen und Tänzern entstanden, die das gemeinsame Anliegen in Tanz und Bewegung mit enormen körperlichen Einsatz sichtbar gemacht haben und deshalb unbedingt hier genannt werden müssen: Charlotte Goesaert, Elina Pohjonen, Jost op den Winkel, Kai Bosch, Martijn Joling, Tim Gerhards und last but not least the politicain Wolfgang Ressmann."
Nachtkritik von KLAUS KEIL

Premiere: Fr, 07. September 2018

Fr, 07. September20:00 Uhr Jugend
, Erwachsene
, Tanz
,

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Ort

tANZfAKtUR
Siegburger Straße 233w (Hinterhof)
50679 Köln
Details

Besetzung

Charlotte Goesaert, Elina Pohjonen, Jost op den Winkel, Kai Bosch, Martijn Joling, Tim Gerhards, Wolfgang Ressmann

Stab

Von Yoshiko Waki und Rolf Baumgart
Live-Video: Hannah Sieben, René Heinrich (westfernsehen, Leipzig)
Ausstattung: Bernd Heitkötter
Licht: Lennart Aufenvenne
Produktion: Nora Auerbach
Eine Koproduktion mit dem Theater im Pumpenhaus Münster
Videolink: www.bodytalkonline.de

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