Gibt's ein Leben über 40?

Theater am Sachsenring TAS - Ensemble

Gibt's ein Leben über 40? -

Ein Stück über den unvermeidlichen 40. Geburtstag mit der unvermeidlichen Geburtstagsfeier, auf der betrunkene Frauen beschenken, ein orientierungsloser Sohn auftaucht, wohlmeinende Freunde Bilanz ziehen und auch Rüdiger - der Frosch - immer etwas zu quaken hat. Die Gäste kommen pünktlich, bis zehn liegen die Themen noch oberhalb der Gürtellinie, dann sinkt das Interesse, es geht nur noch um Sex, es wird ohnehin viel von früher geredet. Aus Hausbesetzern sind Hausbesitzer geworden. Der Nachwuchs ist mit seinem Handy verwachsen und die Mutter zeigt sich erstaunt, dass die Bedeutung des Topfschlagens immer stärker in den Hintergrund rückt. Ist das Altersschwachsinn oder ist das Alter Schwachsinn? Ewige Jugend, die vergänglichste Form der Ewigkeit. Eine Groteske über die heitere Vergeblichkeit des Strebens.

Signe Zurmühlen spielt alle Frauen, Mutter und Sohn, Felix Höfner, spielt alle Freunde des Geburtstagskindes. Und Felix von Frantzius ist 'Oli'.

Die Kritik der Kölnische Rundschau

 

 

Eine Avocado im achten Monat
"Gibt's ein Leben über 40?" - vom Kabarett-Solo zum Theaterstück

30? Fast erwachsen. 40? Eine Katastrophe. 50? In diesem Alter war ein anständiger Mensch früher tot. Die Frage "Gibt's ein Leben über 40?" stellte der Kabarettist Thomas Reis schon 2003 aus gegebenem Anlass mit seinem gleichnamigen Erfolgsprogramm. Wie putzmunter man auch jenseits dieser Deadline noch sein kann, beweist er mit seiner Theaterversion seines Solos, die jetzt im Theater am Sachsenring ihre Uraufführung erlebte.

Unter der Regie von Joe Knipp entstand mit drei formidablen Schauspielern ein spritziges Dialogstück, bei dem sich die Pointen nur so überschlagen.

Oli ("Gaststar" aus München: Felix von Frantzius) hat am Vorabend seines Geburtstages solche Angst vorm totalen Verspießern (Stichwort: Einbauküche) (...) "Ich bin doch ein alter Grüner, eine Avocado im achten Monat!" greint er seinem (...) Freund Jürgen (David N. Koch) vor, der schon die Bierkästen Marke Reis-Dorf (mit Thomas-Reis-Portrait) anschleppt. Oli suhlt sich in antikapitalistischer Selbstkritik, (...) bis die Freunde dann natürlich doch noch antanzen. Alle gespielt von David N. Koch, einschließlich dem Frosch Rüdiger, einer Handpuppe, die wie eine Art Katalysator funktioniert.

Reis und Knipp sind natürlich viel zu schlau, um nicht die Gefahr eines auf zwei Männer aufgeteilten Kabarett-Solos zu sehen - und zu umgehen. Dafür steht ihnen die famose Puck-Anwärterin Signe Zurmühlen zur Seite. Sie sorgt in vielerlei treffsicher überspitzten Typen-Karikaturen für das belebende Element im männlichen Jammertal. Mit wenigen Kostümwechseln verwandelt sie sich von Olis nerviger Mutter in das stets angetrunkene, sexsüchtige Hippiemädchen Hilde, die frustrierte Molekularbiologin Jutta und eine knallharte Männerpsychologin.

Überwältigend komisch ist sie als Jürgens halbwüchsiger Sohn Dennis, die dem Leben abgelauschte Studie eines Facebook-fixierten Null-Bock-Totalverweigerers mit schlurfendem Gang und starrem Blick aufs Handy. Die Reaktion des begeisterten Publikums ließ nicht nur hier auf einen hohen Wiedererkennungsfaktor schließen. Denn die bis zur bierseligen Party klug gesteigerte Inszenierung mit dem rasanten Pointen-Feuerwerk trifft bei allen mitten ins schwarze Humorzentrum. (BS)

Sa, 01. April20:00 Uhr Erwachsene
, Schauspiel

Weitere Termine

Do | 10. Mai 2018 | 20:00
Fr | 11. Mai 2018 | 20:00
Sa | 12. Mai 2018 | 20:00

Ort

Theater am Sachsenring
Sachsenring 3
50677 Köln
Details

Besetzung

Felix von Frantzius, Felix Höfner, Signe Zurmühlen

Stab

Inszenierung: Joe Knipp
Bühne und Kostüme: Hannelore Honnen

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